Warum

Eigentlich ist jedes Fahrrad ein Velomobil, als Kontrapunkt zum Begriff "Automobil" hat sich der Begriff "Velomobil" aber in den letzten Jahren für eine ganz bestimmte Gattung von Fahrrädern ausgebildet. Im Gegensatz zum Automobil wird das Velomobil jedoch nicht von einem Zerknalltreibling angetrieben, sondern hauptsächlich durch die gesunde Muskelkraft der Pilotin oder des Piloten, auch fliegen ist nicht schöner. Erlaubt ist natürlich ein Elektromotor mit Akku, der im Pedelec- oder Power-Pedelec-Modus beim Vorankommen hilft. Vom Fahrrad wird gerne gesagt, dass es die Revolution der Evolution darstellt, dadurch, dass das Gewicht von den Laufrädern getragen wird, ist die Fortbewegung mit dem Fahrrad viel effektiver als jede andere Fortbewegungsart von Lebewesen, nur Vögel im Segelflug erreichen ähnlich gute Werte. Wer es nicht glaubt, darf gerne mal einen Marathon laufen oder dieselbe Strecke mal zum Vergleich mit dem Fahrrad zurücklegen.
Jetzt kommt das Velomobil und setzt in Sachen Effizienz der ganzen Fahrradtechnik die Krone auf: Noch nie war es Menschen möglich, mit so wenig Kraftanstrengung solch große Fahrleistungen zu vollbringen. In Holland prägte dies der Satz: Mehr Meilen Mit Minderer Muskelkraft, kurz 5M, "M5" ist dort auch eine Liegeradfirma. Alle echten Weltrekorde und nicht nur aufgrund eines bestimmten Reglemonts gefahrenen Rekorde sind mit Velomobilen gefahren worden. Dies ist das Ergebnis einer zielgerichteten Entwicklung bei Velomobilen im Hinblick auf einen möglichst geringen Luftwiderstand, ein geringes Gewicht, eine gute Kraftumsetzung und geringe Fahrwiderstände infolge Rollwiderstand und Lagerreibung. Der geringe Luftwiderstand ist dabei für die hohen Geschwindigkeiten der wichtigste Erfüllungsgehilfe, möglich ist er durch eine günstig geformte Karosserie, die gleichzeitig auch einen guten Schutz vor Verletzungen darstellt. Dabei ist in den letzten Jahren eine ähnliche Entwicklung wie beim Automobil zu beobachten, von Rahmenkonstruktionen mit einer Beplankung als Verkleidung haben sich mehr und mehr selbsttragende Karosserien durchgesetzt, die in der Monocoque Bauweise ähnlich wie in der Formel 1 Technik zur höchsten Entwicklungsstufe gelangt sind, wenn Steifigkeit, Sicherheit und geringes Gewicht als Maßstab genommen werden. Solche Hochleistung-Velomobile kommen in den Fahrleistungen auf Strecken unter 100km schon sehr nah an die Durchschnittsgeschwindigkeiten von Automobilen heran und schlagen in der Regel sogar die Reisezeiten im öffentlichen Personenverkehr deutlich. Grundsätzlich können dann auch größere Tagesetappen bewältigt werden, bei denen normalerweise nicht an´s Fahrrad gedacht würde. Mal eben mit dem Fahrrad an einem Nachmittag 300 km nach Berlin fahren, mit dem Velomobil geht´s. Vor allem ist es viel weniger anstrengend, als mit dem klassischen Fahrrad: Doppelt so schnell mit halb soviel Kraft. Dies ist besonders im Betrieb mit Elektromotor zu spüren, plötzlich ist der Akku fast nicht mehr leer zu kriegen.

Velomobile bieten im Alltag aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile. Da die meisten Velomobile Dreiräder sind, haben sie schon von Natur aus eine gute Standsicherheit und ein Wegrutschen zum Beispiel im Winter hat keinen Sturz zur Folge. Der Wetterschutz der Karosserie macht sie auch zu geeigneten Fahrzeugen für den Ganzjahresbetrieb. Selbst in eisiger Kälte entsteht bei geschlossener Lüftung im kleinen Innenraum schnell eine angenehme Temperatur, die die Mitmenschen zur Verwunderung treibt, wenn jemand im T-Shirt, kurzer Hose und ohne Handschuhe bei Frostwetter aus dem Velomobil aussteigt. Die hohe Festigkeit der Karosserien aus einem Glasfaser- oder Kohlefaser-Gewebe bietet einen sehr guten Schutz bei Unfällen, durch das geringe Gewicht der Velomobile samt Insassen, geht nur eine sehr geringe Unfallgefahr von Velomobilen aus, die nachgiebige und glatte Oberfläche schützt andere Unfallbeteiligte fast vollständig vor der Gefahr, sich zu verletzen.

Die Anordnung von Tretlager- und Sitzhöhe bewirkt bei den meisten Velomobilen eine Steigerung der Tretkraft um 6 bis 9%, dadurch erreichen Velomobile selbst in leichten Bergen mit geübten Fahrern ähnlich hohe Geschwindigkeiten wie extrem leichte Rennräder, obwohl sie prinzipbedingt immer deutlich schwerer bauen. Wenn Velomobile den Rennrädern weit überlegen sind, ist natürlich nicht verständlich, warum sie nicht bei Rennveranstaltungen genutzt werden. Der Grund liegt bis heute in den Regeln der UCI, die schon seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts das Fahrrad als das Sportgerät genormt haben, als das wir es heute gemeinhin wahrnehmen. Während sich im Automobilrennsport fast alles um die Königsklasse der Formel 1 dreht, werden die Rennen der schnellsten Fahrräder der voll verkleideten FF-Klasse (fully faired) in der Öffentlichkeit fast gar nicht wahrgenommen, stattdessen dreht sich alles um die langsameren Radfahrer bei der Tour de France und diversen Giros.

 

Milane_on_Tour

Velomobilfahren kann aber auch einfach nur Spaß machen. Von einem ehemaligen Rennradprofi mit 70 Jahren auf dem Buckel kommt der Spruch: "ich war noch nie so schnell in meinem Leben!" Es muss aber nicht immer nur Tempo sein. Ein Dreirad gerät auch bei sehr langsamer Fahrt nicht in´s Schlingern. Manchmal ist es auch einfach nur schön, trocken geblieben nach einem Regenschauer durch den Wald zu fahren und die mühelose Fortbewegung zu genießen. Eins sein mit sich und der Natur und dem Anspruch, nur einen geringen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, das ist es, was ein Leben wertvoll macht, und nicht der Haufen angesammelten Geldes.

Ein Velomobil kann auch das ideale Gefährt für einen P1140401[1]Fahrradurlaub zum Nordkapp sein. Im Velomobil findet sich Platz für die geschützte Mitnahme einer großen Menge Gepäck und zur Not ist sogar eine Übernachtung im Fahrzeug möglich, wenn es zu stark stürmt, um ein Zelt aufzubauen. Gleichzeitig ist ein Velomobil das ideale Gefährt, um Kontakte zu knüpfen, ein Velomobilist kommt nicht als einer, der versucht Gastgeber zu finden, meist ist es umgekehrt, die Gastgeber wollen den Velomobilisten als Gast haben.

Bleibt die Frage, warum sich Velomobile nicht schon auf breiter Front durchgesetzt haben? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind Velomobile in ihrer Vollendung auf der höchsten Preiskategorie angesiedelt, die die Fahrradwelt zu bieten hat und erst langsam setzen sich Finanzierungen im Fahrradbereich durch, wie sie im Automobilsektor schon seit Jahren üblich sind, zum anderen hat sich noch keine professionelle Vermarktung von Velomobilen etabliert. Der klassische Fahrradhandel fühlt sich oft schon vom Warten und Einstellen moderner Schaltungen und Bremsen überfordert, da macht ihm eine neue Technik, womöglich noch mit drei Rädern, bei denen dann auch noch die Spur eingestellt werden muss, noch größere Angst, entsprechend ist die platte Ablehnung mit verdrehten Argumenten. Dabei kann eine gute Fahrradmechanikerin einen Reifen beim Velomobil genauso gut reparieren wie beim klassischen Fahrrad und eine Fahrradkette bleibt auch im Velomobil eine Fahrradkette, aber dafür muss sich der Kopf auch drehen können und bereit sein, neues kennenzulernen. Infolge der geringen Dichte von geeigneten Werkstätten für Velomobile haben viele potentielle Käufer auch wiederum Angst, ein Fahrzeug zu erwerben, bei dem sie im Schadensfalle nur schwer Hilfe bekommen.

 

All diese Hindernisse wollen wir mit unserem Velomobilzentrum nun beseitigen

Unsere Wunschvorstellung ist es, dass sich ähnliche Velomobilstützpunkte im Abstand von 50 Kilometern in ganz Deutschland und darüber hinaus etablieren, so dass es immer möglich ist, in Velomobiltypischer Entfernung auf die Schnelle Hilfe zu bekommen. Was bringt aber einen Velomobilhersteller wie das Räderwerk dazu, auch Produkte der Mitbewerber mit in´s Programm aufzunehmen? In der Vergangenheit haben wir immer schon auch fremde Velomobile gewartet und repariert oder Gutachten bei Unfallschäden angefertigt, wenn dies einmal nötig wurde. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass es das perfekte Velomobil nicht gibt und auch nicht geben wird. Jedes Modell ist von seinem Konstrukteur in eine ganz bestimmte Richtung optimiert worden, wiederum jede/r Kunde/in kommt mit ganz persönlichen Wünschen und Erwartungen an ein Velomobil, die hohe Kunst ist es, diese Wünsche beim Verkauf in Einklang zu bringen. Eine größere Auswahl gut vorsortierter Velomobile macht es leichter, immer das beste zu finden. Auch die Probefahrten unter gleichen Bedingungen machen einen direkten Vergleich viel aussagekräftiger.

Im folgenden ein paar Beispiele für ausgeprägte Eigenschaften einiger Velomobile, durch deren Vorauswahl wir schon dafür gesorgt haben, dass sich die besten der besten bei uns befinden:

Die  "Quest", ist schon immer eine Göttin unter den Velomobilen gewesen. In den vielen Jahren Bauzeit sind fast alle Lösungen perfekt ausgereift und einige Eigenschaften von der Konkurrenz immer noch unerreicht. Die besonderen Stärken der "Quest" sind der große Fahrkomfort, viel Platz im Innenraum, ein Fahrwerk, dass auch darauf ausgelegt ist zur Not abseits von glatten Strassen eine gute Figur zu machen (Bodenfreiheit, Federwege) und das klassisch schöne Design. Vielleicht wird man eines Tages nicht mehr sagen: "das geht ab wie ein Zäpfchen!" sondern: "das geht ab wie eine Quest!".

Das "DF" ist eines der neuesten Velomobile auf dem Markt. Mit der sehr straffen Federung, dem aufrechteren Oberkörper und der kürzeren Karosserie macht es Spaß bei kurzen knackigen Sprints. Offen gefahren, macht es auch Laune, die Autos durch die Stadt zu hetzen. Mit der sehr präzisen Lenkung, läßt es sich auch nach kleineren "Ausrutschern" gut wieder einfangen, die Ausstattung ist Quest-typisch vollständig. Aufgrund der extremeren Auslegung scheiden sich neim "DF" die Geister, die einen sehen die Mängel, die es damit zwangsläufig mitbringt, die anderen lieben es, wegen der guten Eigenschaften, die es vor allem auf Kurzstrecken voll entfalten kann.

Der "Milan GT" ist der Urahn der Milan Familie. Das geniale Aerodynamische Konzept macht ihn vor allem im Alltagsbetrieb unter widrigen Verhältnissen zu einem überlegenen Fahrzeug, wenn die vorgegebene Gewichtsverteilung mithilfe der vorderen Gepäckfächer gut austariert bleibt. Aufgrund der Einbindung des Hinterrades in einer klassischen H-Schwinge, können in diesem Fahrzeug fast alle Antriebs-Komponenten eingebaut werden, die die Fahrradtechnik zu bieten hat, egal ob Dual Drive oder Rohloff Nabenschaltung, es gibt für viele Wünsche eine Lösung. Die im Schulterbereich sehr breit gehaltene Karosserie erlaubt sogar die Montage einer Panzerlenkung.

Der "MIlan SL" ist die kleine Schwester oder Bruder vom GT. Durch die schmalere und flachere Karosserie ist diese noch strömungsgünstiger, was ihn zu einem der schnellsten Velomobile überhaupt macht, wovon allein die vielen Weltrekorde Zeugnis ablegen. Durch die geringere Bodenfreiheit und den größeren Wendekreis fühlt sich dieses Velomobil vor allem auf längeren Überlandstrecken sehr wohl. Durch die konsequente Bauweise als Monocoque ohne größere Öffnungen in der Karosserie bietet die Karosserie eine extreme Steifigkeit, die oft unterschätzt wird. Die Standardversion ohne Hinterradfederung wünscht sich vor allem glatte Strassen ohne Schlaglöcher.

 

Zuletzt angesehen